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Leonhardskapelle

    
Zur Historie:

Warum St. Leonhard als Namenspatron gewählt wurde und wer ihre Erbauer waren, darüber schweigen die spärlichen Quellen aus.

 

Die Namensgebung:

St. Leonhard, ein Heiliger des frühen 6. Jahrhunderts, war Schutzpatron der Landwirtschaft aber auch der Gefangenen. Überdies vertrauten die Menschen auf ihn als Helfer der Gebärenden. Er soll der Legende nach einer Frankenkönigin in schweren Geburtsnöten geholfen haben. Er galt zudem als Nothelfer für seelische und mancherlei andere Krankheiten. Vielleicht war er in der Zeit der Pestepedemien des 14. und 15. Jahrhunderts deshalb besonders verehrt. Als Schutzpatron des Viehs aber galt er zu allen Zeiten geradezu als „Bauernherrgott“, den man am 6. November, seinem Todestag, oft in einer Wallfahrt beging. 

 

 

Es wird vermutet, dass die Kapelle eine Stiftung aus der Zeit um 1457 gewesen sein könnte. Einige Hinweise auf Bruderschaftsstiftungen in dieser Zeit erhärten diese Vermutungen, ohne jedoch einen letzten Beweis liefern zu können. 
Mit der Kapelle waren jährliche Gefälle verbunden, wohl zu ihrer Unterhaltung. Sie gehörten später zum Armenkasten. Dieser war eine Stiftung des Herzogs Ulrich im Jahre 1547.

Schild der Leonhardskapelle
Schild der Leonhardskapelle

Der Altertumsforscher und Güglinger Pfarrer Karl Klunzinger erwähnt in seinen Aufzeichnungen einen steinernen Bogen mit dem württembergischen Wappen und der Inschrift Lorenz German Stadtschreiber. Dieser war von 1575 bis 1613 Güglinger Stadtschreiber. Dieser steinerne Bogen könnte sich auf eine Friedhofserweiterung oder Neugestaltung beziehen. Vielleicht im Zuge der durch die erwähnte Bauinschrift nahegelegten Baumaßnahmen an der Leonhardskapelle im Jahre 1579. 

1752 war die Grundsteinlegung für den Neubau einer Kirche an Stelle der mittlerweile zu kleinen und auch baufälligen Kirche. Mit dem noch verwendbaren Baumaterial der alten Kirche wurde die Leonhardskapelle repariert. Um während des Kirchbaus und zu anderen Gelegenheiten darin Gottesdienst abhalten zu können, stattete man sie mit Manns- und Weiberstühlen aus.

 

Fasst hundert Jahre später musste die Leonhardskapelle wieder die Funktion der Pfarrkirche übernehmen, als nämlich die barocke Kirche dem Stadtbrand von 1849 zu Opfer fiel.

 

Im letzten Jahrhundert

1926 wurde die Leonhardskapelle als Gottesackerkirche in das Landesverzeichnis der Baudenkmale eingetragen. 1932 wurde die Kapelle renoviert und das Dach umgedeckt. 1949/1950 wurde zur Aufbewahrung der Verstorbenen, die traditionelle häusliche Aufbahrung war nicht mehr zeitgemäß, ein Anbau an die Kapelle errichtet.

 

In die bisher rein evangelische Gemeinde zogen nach dem Krieg sehr viele überwiegend katholische Neubürger aus den Vertreibungsgebieten zu. Das benachbarte katholische Pfarramt aus Stockheim erbat 1951 von der evangelischen Kirchengemeinde die langfristige mietweise Überlassung der Leonhardskapelle für die seelsorgerliche Betreuung der Katholiken des mittleren und oberen Zabergäus.



Die dafür notwendigen umfangreichen Umbauarbeiten wurden am 10. November 1953 mit einem feierlichen Eröffnungsgottesdienst abgeschlossen.

 

Über zehn Jahre lang beherbergte dann die Leonhardskapelle die katholischen Christen der Gemeinden Frauenzímmern bis Ochsenburg. Von 1969 bis 1971 wurde dann der Neubau des katholischen Pfarrzentrums in Güglingen errichtet.

 

 

Die jüngste Historie:
Die St. Leonhardskapelle erhielt im Jahre
1980 mit der Aufstellung des Altars und des Taufsteins der 1977 renovierten Mauritiuskirche eine neue Innenausstattung. Auch das gußeiserne Altarkruzifix, wie Altar und Taufstein aus dem Kirchenbau von 1850 wurde von der Pfarrkirche in die Friedhofskapelle verbracht.

 

Doch größere Instandsetzungs- und Unterhaltungsarbeiten an der Kapelle langen schon lange zurück. 1984 stellte die Kirchengemeinde den ersten Antrag auf Behebung der zutage getretenen baulichen Mängel. Das Dach schien bald einsturzgefährdet. 1989 kam dann die Genehmigung des Landesdenkmalamtes zu den projektierten Baumassnahmen. Nach der genauen Schadenserfassung und der Kostenermittlung wurde die St. Leonhardskapelle in den Jahren 1993/1994 unter der Leitung des Güglinger Architekturbüros Rall und Partner grundlegend instandgesetzt. Dabei wurde die Dachkonstruktion des steil geneigten Walmdaches saniert und mit neuen Ziegeln gedeckt. Für die Glocke, die im Ton A gegossen ist, wurde eine elektrische Läuteanlage mit Funksteuerung installiert. Die alten Grabdenkmäler wurden zum Schutz vor weiterer Verwitterung ins Kapelleninnere verbracht. und eine neue Bestuhlung angeschafft. Sie ist nun ein schlichtes Schmuckstück mit ca. 100 Sitzplätzen.



Seither kann die neue Kapelle vielfältig genutzt werden. Neben dem schon traditionellen, alljährlichen Auferstehungs-gottesdienst am frühen Ostermorgen steht die Kapelle auch für Trauungen zur Verfügung.

Daneben können kirchenmusikalische Veranstaltungen, Lesungen u.a.m. die Leonhardskapelle mit Leben füllen.

Leonhardskapelle 2007 Güglingen
© 2007 - Jürgen Stahl
Leonhardskapelle 2007 Güglingen
Eingang
Eingang

 

 


 

 

 

 

Anno 2007 fand in der Leonhardskapelle ein Konzert mit Heinz Kaiser statt, bei dem er das Wohltemerpierte Klavier von J.S. Bach gespielt hat.

Hier einige Eindrücke ...

Leonhardskapelle Innenansicht 2017

  • Leonhardskapelle Innenansicht 2017

    © 2017 - Jürgen Stahl
  • Leonhardskapelle Innenansicht 2017

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  • Leonhardskapelle Innenansicht 2017

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  • Leonhardskapelle Innenansicht 2017

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  • Leonhardskapelle Innenansicht 2017

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